Der Meister

 

SHANGSHI

„Ich beherrschte hunderte daoistischer Praktiken,
aber keine davon machte mich wirklich frei.
Ich brauchte einen anderen Weg – und ich fand ihn.“

Meister Shangshi stammt aus Changsha in der chinesischen Provinz Hunan. Schon in seiner Kindheit verspürte er eine Sehnsucht nach der Freiheit des Seins, denn er erkannte, wie sehr Menschen in ihren Problemen und Alltagssorgen feststecken und sich nicht daraus lösen können. Er selbst fühlte sich unfrei, gefangen in seinem eigenen Karma, in seiner eigenen Lebensgeschichte.

In der Hoffung sich aus diesem Gefängnis befreien zu können, probierte er die unglaublichsten Methoden aus und gab sein letztes Geld dafür aus, berühmte Meister in China zu treffen, damit sie ihm ihr Wissen übertrugen. Jahrelang studierte er tiefe Qigongmethoden und innere daoistische Praktiken, er praktizierte Kungfu und Taiji. Selbst in der traditionellen chinesischen Medizin suchte er nach einer Lösung für sein Problem; er studierte das chinesische Weisheitsbuch Yì Jīng und die Feng Shui-Lehre. Aber keine Technik konnten seine Probleme dauerhaft lösen. Immer wieder stieß er an seine eigenen Grenzen. Keine Methode gab ihm eine Antwort auf die tiefste Frage des Lebens: Wie kann ich wirklich in Freiheit leben?

„Ich war mir sicher, es musste einen Weg geben“, erinnert Meister Shangshi sich an diese Zeit. Doch keine Methode funktionierte. Was sollte er noch machen? Als er gerade aufgeben wollte, lud ihn ein Freund zu einer Reise nach Sichuan ein. Dort traf er fast zufällig seinen Meister. „Dieses Treffen war außerhalb meines persönliches Plans und genau deswegen entwickelte sich alles perfekt“, erklärt Meister Shangshi. „Jeder, der das Dao wirklich finden will, den wird die Lebendigkeit zu ihm führen.“

Sein Meister lebte tief in den Bergen von Sichuan und war ein Linienhalter der uralten, buddhistischen Dzogchen-Tradition. Im Kern der Dzogchen-Lehre geht es darum, die wahre Realität zu erkennen und dadurch in eine grenzenlose Freiheit einzutreten. Diesen Urkern des Dzogchen gab es bereits bevor der Buddhismus entstand und bei seinem Entstehen floss er in den Tibetischen Buddhismus ein. Auch im Daoismus findet sich derselbe Urkern.

Bevor Shangshi seinen Meister traf, interessierte ihn der traditionelle Buddhismus überhaupt nicht. Doch sein Meister berührte ihn mit dem ersten Satz, den er sagte, tief im Herzen: „Das Wasser der Gebirgsseen war immer rein und klar.“ Als Shangshi diese Worte hörte, spürte er mit einem Mal ein unglaubliches Vertrauen. Er wusste: „Dieser Meister trägt den Schlüssel zur Freiheit in sich.“ Dafür war Shangshi bereit, alles aufzugeben, was er bis dahin gelernt hatte.

Zehn Monate blieb er bei seinem Meister in den Bergen. Der unterrichtete ihn aber nicht sofort den kurzen Weg (den direkten Weg zum Erwachen), sondern Praktiken aus dem langen Weg des tibetischen Buddhismus, z.B. verschiedene Mantren und Meditationen. Das hatte zwei Gründe: Shangshi sollte erfahren, dass keine Praktik des langen Weges je zum Ziel führen würde. Auf diese Weise würde sein Vertrauen in den kurzen Weg noch gestärkt werden. Außerdem erkannte der Meister seine Lehrerqualitäten und wollte Shangshi durch umfangreiches Wissen und Fähigkeiten auf diese Tätigkeit vorbereiten.

Vier Jahre lebte Shangshi monatelang in den Bergen bei seinem Meister. Bei eisiger Kälte, Hunger und großen Entbehrungen rezitierte er Mantren und meditierte in Steinhöhlen. Zwischendurch kehrte er immer wieder in sein normales Leben in der Stadt Changsha zurück und begann das Erlernte in seinem Alltagsleben anzuwenden.

Eines Tages, als er wieder in den Bergen eintraf, eröffnete ihm sein Meister: „Nun bist du bereit: Jetzt weise ich dich in den kurzen Weg ein!“ Anderthalb Jahre später vollendete Shangshi diesen Weg. Denn durch seine intensive Praxis des langen Weges erkannte er schlagartig den Unterschied zwischen langen und kurzen Weg und wusste sofort, dass nur der kurze Weg ihn zum Erwachen führen kann. Und dafür gab er alles.

Nach seinem Erwachen machte ihn sein Meister zum Linienhalter der alten Tradition und gab ihm gleichzeitig die Aufgabe, den Weg zum Erwachen an Menschen wie uns, die außerhalb der alten Traditionen stehen, weiterzugeben.

Meister Shangshi unterrichtet diesen Weg, den er den Weg des “Lebendigen Dao” nennt, unabhängig von jeglichen Religionen. Er sagt: „Das Dao ist überall, es ist in jedem Menschen vorhanden. Und es stimuliert uns auf alle möglichen Arten, um uns schnell erwachen zu lassen – das Dao ist lebendig. Das ist das Unglaubliche.“

Seit 2006 gibt Meister Shangshi sein Wissen regelmäßig in Form von Seminaren in Deutschland weiter. Durch Herzensübertragungen öffnet er unser Herz für die wahre Realität und lehrt uns unser wirkliches Sein zu erkennen. Sein Kernsatz ist: „Jeder kann erwachen, wenn er es hundertprozentig versucht.“

„Das Wasser der Gebirgsseen war schon immer rein und klar.“